Profitabilität von Lebensmittellieferungen
Modellrechnung für den deutschen Markt
A
Bestell-Ökonomie
Der Warenkorbwert ist einer der zentralen Erlöshebel des Modells, da sich zahlreiche operative Kosten je Bestellung nur begrenzt proportional entwickeln. Für den deutschen Markt liegen schnelle Sofortlieferungen häufig eher im Bereich von etwa 35 bis 50 EUR, während größere E-Food- oder Wocheneinkäufe häufig in Richtung 80 bis 100 EUR tendieren. Ein höherer Warenkorb verbessert das Ergebnis in der Regel deutlich, sofern Wareneinsatz und Servicekosten nicht überproportional ansteigen.
Die Liefergebühr stellt einen zusätzlichen Erlös pro Bestellung dar und wirkt damit grundsätzlich positiv auf Deckungsbeitrag und EBIT. Im deutschen Markt bewegen sich typische Gebühren je nach Serviceversprechen häufig in einer Größenordnung von etwa 0 bis 5 EUR; für Express- oder Peak-Slots können auch höhere Werte relevant sein. Eine Anpassung verbessert das Ergebnis unmittelbar, kann jedoch Nachfrage, Conversion oder Bestellfrequenz beeinflussen.
Der Wareneinsatz beschreibt den Anteil des Warenkorbwerts, der auf den Beschaffungswert der verkauften Waren entfällt. Für deutsche Supermarktmodelle ist ein Bereich von etwa 80 bis 90 Prozent des Warenkorbs als plausible Annahme anzusehen. Öffentliche Vergleichswerte liegen bei rund 89,7 Prozent für EDEKA 2024 und rund 79,8 Prozent für Kaufland 2023/2024. Eine Erhöhung dieses Werts wirkt sich regelmäßig deutlich negativ auf das Ergebnis aus, da der Wareneinsatz meist den größten Einzelkostenblock darstellt.
Dieses Feld erfasst die variablen Verpackungskosten je Bestellung, beispielsweise für Tragetaschen, Isoliermaterial oder Kartonagen. Als Default-Wert werden 0,39 EUR angesetzt; dieser Wert orientiert sich an marktüblichen Modellannahmen. Zum Vergleich erhebt REWE bei seinem Lieferdienst 0,50 EUR Pfand pro Tasche, wobei es sich um ein kundenfinanziertes Pfandsystem und nicht um einen unmittelbaren Kostenwert handelt. Höhere Verpackungskosten wirken sich unmittelbar ergebnisbelastend aus.
B
Fulfillment
Das gewählte Fulfillment-Modell bestimmt insbesondere, wie stark die Kommissionierzeit mit zunehmendem Warenkorb ansteigt. Beim manuellen Store-Picking liegen Richtwerte bei etwa 2,5 bis 3,0 Minuten je zusätzlicher 10 EUR Warenkorb, bei Dark-Store-ähnlichen Konzepten bei etwa 1,8 bis 2,3 Minuten und bei stark automatisierten Fulfillment-Centern nur bei etwa 0,2 bis 0,3 Minuten. Für das Modell wird eine Baseline von 8,0 Minuten bei einem Warenkorb von 45 EUR zugrunde gelegt.
Die Kommissionierzeit bestimmt die personalbezogenen Fulfillment-Kosten je Bestellung. Ausgangspunkt sind 8,0 Minuten bei einem Warenkorb von 45 EUR; der tatsächliche Wert wird in Abhängigkeit vom Fulfillment-Modell sowie vom Produktmix fortgeschrieben. Zusätzliche Minuten erhöhen die operativen Kosten unmittelbar und belasten damit EBIT und Marge.
Dieses Feld bündelt standortbezogene Gemeinkosten auf Bestellebene, etwa für Miete, Energie, Kühlung, Abschreibungen, Inbound-Prozesse und Flächenbetrieb. Für deutsche Modelle sind Richtwerte von etwa 0,80 bis 2,50 EUR pro Bestellung häufig plausibel, abhängig von Standort, Hub-Auslastung und Kühlanteil. Bei sinkender Auslastung steigt dieser Kostenblock pro Bestellung in der Regel spürbar an.
C
Logistik
Hier wird festgelegt, ob die letzte Meile personalbasiert oder mit einem autonomen Fahrzeug modelliert wird. Im klassischen Fahrermodell prägen insbesondere Lohnkosten, Arbeitgeberanteile und Produktivität pro Stunde die Wirtschaftlichkeit. Im autonomen Szenario entfallen diese Personalkosten weitgehend, während zusätzliche Aufwendungen für Fahrzeugtechnik, Monitoring, Software, Sicherheit, Energie und Betrieb anfallen. Die gewählte Option beeinflusst damit sowohl die Kostenstruktur als auch die operative Leistungsfähigkeit der Zustellung.
Erfasst wird der Brutto-Stundenlohn der eingesetzten operativen Mitarbeitenden vor Arbeitgebernebenkosten. Als Modellkorridor werden Werte zwischen 14,61 EUR und 17,50 EUR pro Stunde angesetzt; als Default dient der Mittelwert von 16,06 EUR, da die im Modell betrachteten Städte beim Lohnniveau nicht stark differenziert werden sollen. Höhere Lohnkosten erhöhen sowohl Zustell- als auch Fulfillment-Kosten.
Die Kennzahl „Drops pro Stunde“ beschreibt, wie viele Bestellungen eine Zustelleinheit innerhalb einer Stunde erfolgreich ausliefern kann. Für deutsche Stadtgebiete ist ein Modellkorridor von etwa 1,8 bis 3,0 Drops pro Stunde plausibel, abhängig von Bevölkerungsdichte, Wegezeiten, Parkdruck, Gebäudestruktur, Übergabeaufwand und Tourenqualität. Das gewählte Liefergebiet wirkt unmittelbar auf diese Produktivität: verdichtete urbane Gebiete wie Berlin ermöglichen häufig mehr Stopps pro Stunde, während zersiedelte Regionen wie das Ruhrgebiet tendenziell längere Fahrzeiten verursachen. Eine höhere DPH reduziert die Zustellkosten je Bestellung, da sich die stündlichen Kosten auf mehr Lieferungen verteilen.
Hier werden die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung auf den Bruttolohn aufgeschlagen. Für Deutschland ist im Modell häufig eine Größenordnung von rund 20 bis 23 Prozent plausibel, abhängig unter anderem von Kassenstruktur, Umlagen und individuellen Rahmenbedingungen. Höhere Arbeitgeberanteile erhöhen die effektiven Arbeitskosten je Stunde und belasten damit direkt die Zustellkosten je Bestellung.
D
Overhead
Der CAC verteilt Marketing- und Promotionsaufwendungen auf eine einzelne Bestellung. In reifen Bestandskundensegmenten kann der effektive Wert vergleichsweise niedrig ausfallen, während stark rabattgetriebene Neukundenmodelle in Deutschland rasch in einen Bereich von etwa 3 bis 10 EUR pro Bestellung oder darüber gelangen können. Ein hoher CAC belastet die Marge unmittelbar, ohne die operative Leistungsfähigkeit zu erhöhen.
Dieses Feld bündelt Payment-Gebühren, den Betrieb von Shop und App, Routing-Tools, SaaS-Lizenzen sowie gegebenenfalls kundenseitige Schnittstellen. Für viele Modelle sind Richtwerte von etwa 0,50 bis 1,50 EUR pro Bestellung plausibel, bei komplexeren Technologie-Setups auch darüber. Der Effekt ist linear: Jeder zusätzliche Euro reduziert den EBIT unmittelbar um denselben Betrag.
Hier werden indirekte Gemeinkosten auf Bestellebene verteilt, etwa für Kundenservice, Verwaltung, Steuerung, Versicherungen und zentrale Funktionen. Als Modellannahme sind häufig etwa 0,80 bis 2,00 EUR pro Bestellung plausibel, abhängig von Reifegrad und Organisationsgröße. Dieser Kostenblock ist weniger sichtbar als Wareneinsatz oder Zustellung, kann jedoch im Grenzbereich entscheidend für die Profitabilität sein.
EBIT pro Order
Netto-Umsatz
EUR 0.00
Total Costs
EUR 0.00
EUR 0.00
Marge: 0%